Almabfahrt von der Birg Alm

Von Samantha M. Günther   Wie oft sind wir wohl jetzt schon durch das Kaunsertal gefahren. Jedes Mal freue ich mich, wenn wir dabei ein paar Kühe entdecken. Doch waren es noch nie so viele, wie zum Almabtrieb von der Birgalm am 30. August! Als kleines Kind war ich immer in den Schulferien bei meinen Großeltern als Helferin mit im Stall. Aber 400 Kühe auf einen Punkt zu sehen, das ist dann doch etwas Außergewöhnliches.

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Um 13 Uhr treffen wir uns mit dem als „Ochsner“ bekannten Hirten Braunhofer Andi auf 2500 Höhenmeter. Mit 9000 Hektar ist Andi für die größte zusammenhängende Alm Tirols verantwortlich. Da steht er. 52 Jahre alt. Seine Hände ausgerüstet mit Kaffeetasse und Handy. Mit seinem ansteckenden Grinsen begrüßt er uns. Dann koordiniert Andi seine Hirtenhelfer aus der Ferne. Leicht angespannt wirkt er. Kein Wunder, denn das Wetter mag nicht ganz so mitspielen. Es sind tief hängende Wolken, die oberhalb von 2700 Höhenmetern die Bergkämme verhüllen. Und es regnet andauernd. Nicht ganz einfach für eine Almabfahrt.

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Nach den ersten Dreharbeiten aus der Ferne suchen wir uns einen tiefer liegenden Punkt, um die Schwierigkeit der Almabfahrt zu dokumentieren. Nun heißt es warten. Ich stelle fest, dass das gar nicht so einfach für die Hirten ist, jede einzelne Kuh auf den richtigen Weg zu lotsen. Der Abstieg aus steilen Grashängen und schmalen Serpentinenstraßen ist eine wahre Herausforderung. Nach einer halben Stunde ist es dann so weit. Die ersten Kühe laufen an uns vorbei. Gerne bleibt dann mal die eine oder andere Kuh stehen. Nicht nur der Stausee, sondern auch unsere Kamera scheint ein Blickfang für sie wert zu sein.

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Gemeinsam mit Barbara, der Frau von Andi, und einem Teil der Hirtenfamilie warten wir an einer Sammelstelle vor dem sogenannten Schnapsloch. Die Stimmung bei allen ist trotz Regen gut. Es dauert, bis die letzte Kuh aus den Hochtälern geholt wurde. Von hier weg geht es über die Serpentinenstraße zu dem auf 1900 Höhenmeter liegenden Haag. Kurve für Kurve treiben die Hirten im schnellen Tempo die Kühe herunter. Für eine sichere Abfahrt wurde die Straße extra gesperrt. Alle Autofahrer, die jetzt vom Gletscher ins Tal fahren wollen, müssen sich nun hinten anstellen. Geduld ist gefragt!

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Kurz nach 17 Uhr hat Andi es endlich geschafft. Gemeinsam wird angestoßen und sich vom diesjährigen Almsommer verabschiedet. Ein bisschen Wehmut ist in den Gesichtern der Familie Braunhofer zu sehen. Alle lieben und leben das einfache Hirten Dasein. Besonders Andi, der damit seinen 38. Sommer auf der Birgalm abschließt. Stolz ist er auf seine Hirtenhelfer und bedankt sich nochmal bei allen. Ein Ereignis, das wirklich sehenswert ist! Danke, dass ich dabei sein durfte!

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Bewegte Bilder gibt es hier:  http://ein-jahr-im-kaunertal.com/videos/

Samantha M. Günther ist Assistentin dieser Filmproduktion und wird an dieser Stelle neben dem Filmemacher Thomas Junker von ihren Erlebnissen und Eindrücken während der Dreharbeiten berichten.